Kosten von ETFs (TER, Spread, Tracking Difference) - einfach erklärt

Kosten ETFs

ETFs gelten als günstig – und das stimmt. Aber komplett kostenlos sind sie nicht. In diesem Beitrag erklären wir dir, welche Kosten bei einem ETF tatsächlich anfallen, warum die TER nicht die ganze Wahrheit zeigt – und mit welchem einfachen Trick du die echten Kosten deines ETFs erkennst.

Warum Kosten bei ETFs überhaupt wichtig sind

Auf den ersten Blick wirkt der Unterschied zwischen 0,20 % und 1,50 % Gebühren pro Jahr winzig. Über Jahrzehnte hinweg entfaltet er aber eine enorme Wirkung – weil Kosten nicht nur deine Rendite schmälern, sondern auch den Zinseszinseffekt bremsen.

ETF-Kosten Vergleich aktiver Fonds

Ein konkretes Beispiel: Bei 100.000 Euro investiertem Kapital zahlst du bei einem aktiven Fonds mit 1,5 % Gebühren über 30 Jahre mehr als 45.000 Euro an Kosten. Bei einem ETF mit 0,20 % sind es nur rund 5.000 Euro. Der Unterschied – bis zu 40.000 Euro – bleibt bei dir im Depot statt beim Fondsmanager.

Und das Ernüchternde: Die allermeisten aktiven Fonds schaffen es langfristig nicht einmal, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Man zahlt also mehr und bekommt weniger.

Die drei Kostenarten bei ETFs

Bei ETFs gibt es im Wesentlichen drei Kostenfaktoren, die du kennen solltest:

Kostenarten bei ETF

TER – die laufenden Kosten

Die Total Expense Ratio (TER) ist die jährliche Pauschalgebühr des ETF-Anbieters. Sie beinhaltet Verwaltungskosten, Depotbankgebühren, Index-Lizenzkosten und sonstige Aufwendungen. Bei beliebten MSCI World ETFs liegt die TER typischerweise zwischen 0,10 % und 0,20 % pro Jahr.

Wichtig: Die TER wird täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen. Du bekommst keine separate Rechnung – aber die Kosten sind in der Performance deines ETFs bereits enthalten.

Spread – die Handelskosten

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs eines ETFs an der Börse. Bei großen, häufig gehandelten ETFs ist der Spread minimal – oft nur 0,01 bis 0,05 %. Er fällt nur beim Kauf oder Verkauf an, nicht laufend.

Wer über einen Sparplan investiert, zahlt bei vielen Neo-Brokern wie Trade Republic oder Scalable Capital keinen Spread und keine Ordergebühr – ein klarer Vorteil gegenüber Einmalkäufen.

Tracking Difference – die wahre Kostenkennzahl

Die Tracking Difference (TD) zeigt die tatsächliche Abweichung eines ETFs von seinem Index. Sie wird so berechnet: ETF-Rendite minus Index-Rendite.

Das Besondere: Die TD kann besser sein als die TER vermuten lässt. Manche ETFs erzielen durch geschickte Wertpapierleihe oder Steueroptimierung Zusatzeinnahmen, die einen Teil der Kosten kompensieren. Ein ETF mit 0,20 % TER kann in der Praxis eine Tracking Difference von nur −0,05 % haben – und ist damit günstiger als ein Konkurrent mit 0,12 % TER, aber −0,18 % TD.

Die Lektion: Schau nicht nur auf die TER. Die Tracking Difference ist der ehrlichere Indikator für die tatsächlichen Kosten.

Was heißt das in Euro und Cent?

Nehmen wir einen Sparplan mit 100 Euro monatlich über 30 Jahre bei 7 % Rendite. Ohne Kosten läge das Endvermögen bei knapp 122.000 Euro.

Rechenbeispiel Kosten ETF
  • Teurer ETF (0,50 % TER): 112.300 € – fast 10.000 € weniger.

  • Standard ETF (0,20 % TER): 118.200 € – knapp 4.000 € Kosten.

  • Günstiger ETF (0,07 % TER): 120.400 € – nur 1.600 € Kosten.

Der Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten ETF: über 8.000 Euro – nur wegen 0,43 Prozentpunkten TER. Allein das zeigt, warum sich ein kurzer Vergleich vor dem Kauf lohnt.

3 Tipps, um ETF-Kosten zu minimieren

  1. TER unter 0,25 % wählen. Für breit gestreute Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World gibt es inzwischen ETFs ab 0,07 % TER. Alles über 0,50 % ist bei Standard-Indizes zu teuer.

  2. Tracking Difference prüfen. Die Website trackingdifferences.com bietet einen kostenlosen Vergleich der tatsächlichen Performance verschiedener ETFs auf denselben Index. Fünf Minuten Recherche können über Jahrzehnte tausende Euro sparen.

  3. Kostenfreie Sparpläne nutzen. Neo-Broker wie Trade Republic und Scalable Capital bieten ETF-Sparpläne ohne Order- und Sparplangebühren an. Damit fallen die Handelskosten komplett weg.

Fazit

ETFs gehören zu den günstigsten Anlageprodukten überhaupt. Wer auf eine niedrige TER achtet, die Tracking Difference prüft und einen kostenlosen Sparplan nutzt, investiert fast zum Nulltarif. Der größte Kostenfaktor bleibt am Ende nicht die Gebühr deines ETFs – sondern die Zeit, die du verlierst, wenn du gar nicht erst anfängst.


Disclaimer: Die in diesem Beitrag bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.